Der Enkeltrick: "Rate mal, wer dran ist?" - Schöneck

Der Enkeltrick: "Rate mal, wer dran ist?"

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Foto: Jerzy-Sawluk/pixelio.de

Aus der „Frankfurter Rundschau“ vom 04. Mai 2010: Talentierte Wahrsager

Betrüger ziehen wichtige Infos aus Plaudereien

Von Stefan Behr

Man muss nicht zwangsläufig verblödet sein, um auf den "Enkel-Trick" reinzufallen. Denn die Betrüger sind mit allen Wassern gewaschen, wie ein Fall zeigt, der erst unlängst das Frankfurter Amtsgericht beschäftigte, zeigt: Eine alte Dame hatte hier alles richtig gemacht. Sie bekam einen Anruf ihres vermeintlichen Enkels, ging zum Schein auf sein Ansinnen ein und informierte sofort die Polizei.

Noch während die Beamten in ihrer Wohnung auf den falschen Enkel warteten, klingelte erneut das Telefon: Es meldete sich eine angebliche Kommissarin, die eine dringende Nachricht für ihre Kollegen vor Ort habe. Vor dieser Masche allerdings hatten die echten Polizisten die Dame bereits gewarnt, sie sagte verabredungsgemäß, dass es sich um einen Irrtum handeln müsse, da keine Polizisten in ihrer Wohnung seien. Der falsche Enkel wurde dann doch noch festgenommen. Die Dame aber zeigte sich tief beeindruckt: Damit, sagte sie, hätte sie nicht gerechnet, auf diesen Trick wäre sie ohne die Hilfe der Polizei sicherlich reingefallen. Was sie zwar kein Geld gekostet, aber den Betrügern ermöglicht hätte, straffrei davonzukommen.

"Rate mal, wer dran ist" ist der Titel einer Broschüre des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Und mit dem Titel ist auch schon die fieseste Technik der Betrüger verraten. Sie fallen nämlich keineswegs mit der Tür ins Haus und sagen "Hallo, ich bin dein Enkel, leih´ mir doch mal 20000 Euro". Sie verwickeln die alten Leute vielmehr in lustige Plaudereien und Ratespielchen, warten, bis die Angerufenen selbst den Namen nennen - und legen dann erst los. Sie arbeiten im Grunde wie talentierte Wahrsager, die aus einem vermeintlich völlig harmlosen Gespräch nützliche Informationen ziehen, von denen sich ihr Gesprächspartner gar nicht erklären kann, woher sie die haben könnten.

Eines ist immer gleich: Der Angerufene täuscht eine Notsituation vor, etwa ein liegen gebliebenes Auto, und eine Rettungsmöglichkeit, für die er kurzfristig Bares braucht. Zum Abholen erscheint natürlich nie der "Enkel" selbst, sondern immer eine als "absolut vertrauenswürdig" angepriesene Person.

Bei der Wahl ihrer Opfer verwenden die Täter, so verrät es die Broschüre, einen einfachen Trick: Sie schauen einfach im Internet nach altertümlich klingenden Vornamen. Eines der Mittel, um sich gegen betrügerische "Enkel" zu wehren, ist daher recht simpel: Einfach den Vornamen im Telefonbuch nur mit dem Anfangsbuchstaben abdrucken lassen.

Ein Grund, warum alte Menschen bevorzugte Opfer von Trickbetrügern sind, ist deren Hoffnung, dass manch Betrogene aus Scham darüber, auf einen billigen Trick reingefallen zu sein, auf eine Anzeige verzichten. Diese Scham ist angesichts der Raffinesse der Kriminellen völlig unnötig.

 

Broschüre des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend:

Kriminalitätsprävention für ältere Menschen

Manche Straftäter und Straftäterinnen wollen ältere Menschen um ihr Vermögen bringen, indem sie ihre wahre Identität und ihre wirklichen Absichten verbergen. Dazu setzen sie allerlei Lügen, Tricks und Täuschungen ein. Die Broschüre informiert darüber, wie Kriminelle vorgehen und warum manche dabei besonders ältere Menschen im Blick haben. Später wird auf kriminelle Methoden im Detail eingegangen. Diese Broschüre möchte Ihnen helfen, sich vor derartigen Taten zu schützen. Deshalb werden Fragen beantwortet wie …

  • Woran können Sie Täter erkennen?

  • Wie können Sie sich davor schützen, ihnen zum Opfer zu fallen?

  • Was können und was sollten Sie tun, wenn doch einmal etwas passiert?

Abschließend erfahren Sie, wo Sie weitere Informationen erhalten können.

Die Broschüre kann angefordert werden beim
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
E-mail: poststelle@bmfsfj.bund.de
Servicetelefon: 01801 90 70 50
Wann können Sie anrufen:
montags bis donnerstags von 9.00 Uhr bis 18.00 Uhr
Internet:
hier klicken
oder Sie laden die Broschüre hier direkt herunter

Ansprechpartner

  • Alfred Erdelmeier
    Vorsitzender Seniorenbeirat
    Vogelsbergstr. 1
    61137 Schöneck
    Telefon 06187-7717


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